05.10.2017: Mein Bekenntnis

Ich möchte hier noch einmal (nach 2010) mein persönliches Bekenntnis hinterlassen – schon weil ich immer wieder gefragt werde, wohin ich theologisch gehöre.

Es gibt ein Thema, mit dem ich mit seit meinem Abschied von der eNABC beschäftige, nämlich mit der persönlichen Definition meiner Zugehörigkeit zu einem Spektrum innerhalb der Christenheit.

Wie sich ja einige noch erinnern, stand die eNABC für „evangelikale Netzallianz bibeltreuer Christen“. Es war eine kleine, aber radikale Gruppe, die vor allem auf Jesus.de aktiv war. Es war für die meisten Mitglieder normal, sich als Fundamentalist im Sinne der „five fundamentals“ zu bezeichnen.

Hier nun möchte ich zu erklären versuchen, warum ich mich heute weder als Fundamentalist noch als evangelikal noch als bibeltreu bezeichne.

Fundamentalist

Die Trennung vom Begriff „Fundamentalist“ war wohl die, die mir am einfachsten fiel, da ich mit den five fundamentals nie ganz einverstanden war. Ja, ich gebe zu, sie sind richtig – und dennoch kann man auch mit richtigen Aussagen komplett danebenliegen. Die five fundamentals beschreiben fünf Aspekte des Christentums, die zum Anfang des letzten Jahrhunderts unter Beschuss geraten waren, und ihre Definition war eine Abwehrreaktion gegen bestimmte Strömungen innerhalb der Christenheit. Nur hat diiese Abwehrreaktion sich verselbstständigt, und aus fünf Punkten, um die es in der Auseinandersetzung damals ging, ist eine neue Basis des Glaubens geworden, bei der viele wichtigere Punkte, wie zum Beispiel die Liebe zu Gott und zum Nächsten, ins Hintertreffen gerieten. Five fundamentals sind mir zu wenig für meinen Glauben – und zu viel, wenn ich bedenke, dass ich nur ein Fundament benötige, nämlich Jesus Christus, und ihn allein.

Bibeltreu

Bibeltreu – welch grosser Anspruch! Und doch: Wie schnell gerät man da auf Abwege.

Wenn ich mir aus ein wenig Entfernung den Teil des Leibes Christi ansehe, der sich selbst als „bibeltreu“ bezeichnet, so muss ich mich selbst, aber auch diese Geschwister fragen: Ist es das, was den Glauben ausmacht?

Ich nehme die Bibel ernst, und für mich ist sie ganz und gar Gottes Wort – das ist mein heutiges Verständnis von Bibeltreue. Daran anschließend kommt jedoch sofort ein grosses ABER: Heisst diese Überzeugung das, was ich bei vielen bibeltreuen Christen erlebt habe, dass nämlich die eigene Einsicht in die Wahrheiten der Bibel das einzig wahre und richtige Schriftverständnis ist? Dass jede andere Meinung falsch ist und nur der eigene Stall das richtige Verständnis von der richtigen Bibeltreue hat?

Hinzu kommt, dass mir auch die „Bibeltreue“ nicht ausreicht: Es ist würdig und recht, die Bibel als Gottes Wort zu nehmen und sie ernst zu nehmen. Wenn darüber aber, wie ich es bei vielen bibeltreuen Geschwistern immer wieder erlebt und selbst praktiiziert habe, die Liebe zu den Geschwistern erkaltet, sobald diese sich wagen, in einigen Punkten ein anderes Schriftverständnis zu zeigen, oder gar einigen Aussagen der Bibel zu widersprechen, so muss ich mich fragen, ob und inwieweit diese Bibeltreue zwar dem Buchstaben, aber nicht dem Geist der Liebe entspricht, inwieweit diese Bibeltreue nicht eher Treue zum eigenen Schriftverständnis ist.

Ein letzter Punkt: Im heutigen Verständnis von „bibeltreu“ wird oft vergessen, dass die Autoren der Bibel keine Schreibmaschinen waren, sondern Menschen, und das auch Ihre Ideen, Meinungen, Vorstellungen in die Texte mit einflossen.

Evangelikal

Im Nachdenken über die beiden ersten Gruppen kam ich automatisch dazu, auch die dritte Gruppe anzuschauen. Anders als für die beiden ersten Gruppen gibt es für „evangelikal“ keine eindeutige Definition

Lese ich die Wikipedia-Definition, so muss ich feststellen, dass ich mich niemals hätte evangelikal nennen dürfen. Evangelikal meint eben doch was anderes als evangelisch oder pietistisch, und manche Lehrinhalte, die dort genannt werden, kann ich von meinem Schriftverständnis nicht mittragen.


Bei allen drei Richtungen, die ich hier genannt habe, stört mich über all das hinaus ein gewisser Absolutheitsanspruch. Können sich Evangelikale, Fundamentalisten und Bibeltreue in der Regel als Christen noch gegenseitig akzeptieren und fließende Übergänge zwischen diesen drei Richtungen zulassen (obwohl es im Internet auch da Auseinandersetzungen gibt), so sind sie sich doch einig darin, dass jeder, der nicht so wie sie glaubt, einer Irrlehre anhängt.

Verbunden damit sind Verdammungsurteile gegen die katholischen, orthodoxen, aber auch gegen liberale christliche Geschwister. Alle drei Richtungen haben für mich den Blick auf das Wesentliche verloren, darauf, dass der Herr Jesus für uns Sünder starb, nicht damit wir irgendwelche Glaubensbekenntnisse annehmen und Dogmen durchsetzen, sondern damit wir Sünder durch seine Liebe gerettet werden!

Fazit

Und das ist der Grund, weshalb ich hier darüber schreibe, dass ich mich mit keiner dieser drei Gruppen mehr so identifizieren kann, dass ich mich als evangelikaler, bibeltreuer oder fundamentalistischer Christ bezeichnen würde. Ich habe in allen drei Richtungen liebe Geschwister erlebt, und ich habe in allen drei Richtungen evangelikale, bibeltreue oder fundamentalistische Päpste erlebt, die jede andere Meinung verteufelten und jeden andersglaubenden Bruder als Antichristen ansahen.

Daher nenne ich mich heute nur noch und ausschliesslich Christ, ohne jeden Zusatz. Ich schreibe dies öffentlich, weil ich das möchte und kann.

Euch allen hier, Christen und Nichtchristen, wünsche ich Gottes Segen.

Dieses Bekenntnis schrieb ich im Jahr 2007 im Forum Christsein.com von Günther Ruks nach einigen heftigen Auseinandersetzungen. Es beschreibt sehr gut, was ich damals vertrat und heute vielleicht mehr noch als damals vertreten möchte: Die Gnade und die Liebe unseres Gottes, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ich wurde in der letzten Zeit mehrfach gefragt, was ich glaube – hier ist meine Antwort. Schließen möchte ich mein Bekenntnis mit einem Lied von Jan Vering, das ich immer noch sehr liebe:

 

„Gnade für den Starken, der Macht in Händen hält,
und Gnade für den Schwachen, der ihm zum Opfer fällt.
Gnade für den Dummen, der nichts mehr liebt als Geld –
Gnade für die Welt.

Gnade für den Spötter, der über alles lacht,
und für den Resignierten, den nichts mehr lächeln macht.
Gnade für den Sterbenden, den kein Glaube hält –
Gnade für die Welt.

Gnade für den Schwarzen, der sein Ghetto hassen lehrt,
und für den weißen Mann, der ihm den Rücken kehrt.
Gnade für die Kinder, wenn die Bombe fällt –
Gnade für die Welt.

Gnade für den Politiker, der Waffen exportiert,
und für den Staatsmann – hoch oben -, dem sein Gewissen erfriert,
und für uns sogenannte „kleine Leute“, die das kaum interessiert –
Gnade für die Welt.

Gnade für den Jungen, der in Uniform verreckt,
und für den, der dieses Kind in diese Uniform gesteckt,
Gnade dem Ajatholla, der Krieg für heilig hält –
Gnade für die Welt.

Und Gnade für mich selber, der ich das alles weiß –
o Herr, mach meine Hände handeln, und mach das Herz mir heiß,
laß mich die Gnade leben, die mich bei dir erhält –
Gnade leben mitten in der Welt, Gnade in uns’rer Welt.

 

Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten. So ferne der Morgen ist vom Abend, läßt er unsere Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten.

Zusatz 7.11.2011

Ein Leser dieser Seite hat zu Recht moniert, dass ich sehr viel darüber schreibe, was ich nicht mehr vertrete, aber sehr schwammig darin bin, was ich glaube. „Einfach Christ“ ist heutzutage eben keine klare Aussage.

Nun sehe ich keine Notwendigkeit darin, das Rad neu zu erfinden. Von daher hier mein Bekenntnis, dass das der katholischen1) Kirche ist:

 

Ich glaube an Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer Himmels und der Erde,

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn,
unseren Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

 

 

1) sprich der allgemeinen christlichen, nicht nur der römisch-katholischen